Vom Unsinn nur alle 3 Stunden zu stillen
1. Juni 2008 von Marko
Unsere Tochter ist einen Monat alt. Am Donnerstag war es Zeit für die Vorsorgeuntersuchung bei der Kinderärztin. Unser Kind wurde gemessen und gewogen. Wir wurden gefragt, wie es unserer Tochter geht. Es geht ihr toll. Nach einem Monat hat sie 1kg über Geburtsgewicht. Unsere Kinderärztin ist auch mit der restlichen Entwicklung unseres Mädchen sehr zufrieden.
Sie fragte mich, wieviele Stillmahlzeiten unser Kind täglich zu sich nimmt. Da wir nach Bedarf stillen, konnte ich das nicht direkt beantworten. Ich hatte die Mahlzeiten schlichtweg nie gezählt. Welchen Stundenrhythmus würde unsere Tochter denn einhalten? “Keinen” konnte ich ganz überzeugt beantworten. Mal kommt sie alle zwei Stunden, manchmal erwacht sie mit großem Hunger nach sechs Stunden seligen Schlafs.
Unsere Ärztin störte sich nicht daran, dass auch jetzt schon durchgeschlafene Nächte vorkamen, in denen unsere Tochter für uns recht lange nichts zu sich nahm. Zwei Stunden zeitlicher Abstand zwischen den Stillmahlzeiten seien nicht in Ordnung. Ich soll ihr doch mindestens 3 Stunden angewöhnen! Mir verschlug es die Sprache. Unsere Tochter, ein zufriedenes, glückliches, sich prächtig entwickelndes Baby hatte ein Symptom. Es wollte manchmal in kürzeren Abständen als drei Stunden stillen. Hat sie mir vorhin nicht noch geglaubt, dass unsere Tochter ein ganz zufriedenes Mädchen ist? Und dass sie ganz toll zugenommen hat? Und da machen wir dennoch etwas falsch?
Ich stelle mir vor, was ich die Stunde mit meinem nach der Brust bettelnden (oder eher schreiendem) Kind machen soll. Ich muss sie ja von ihrem Hunger ablenken. Ist das überhaupt möglich? Ist das überhaupt sinnvoll? Ich denke nicht!
Konsequenz wäre, dass unsere Ärztin zufrieden, unser Kind aber unzufrieden ist. Das will ich ganz sicher nicht.
Ich sehe der Ärztin ins Gesicht und sage voller Überzeugung. “Unsere Tochter ist zufrieden, und wir auch. Warum sollte ich an unserem Glück etwas ändern?”
Als ich die Praxis verlasse, verlasse ich eine wahrscheinlich unzufriedene Kinderärztin. Aber das ist mir egal. Besser, als mein Kind gegen meinen mütterlichen Instinkt hinhalten zu müssen, wenn es mir deutlich zu verstehen gibt was es braucht.
Ich habe mir schon bei unsere ersten Tochter den Blick auf die Uhr abgewöhnt. Wir hatten nie Probleme wegen ihrem Gewicht. Wir mussten auch nie zu Ersatzprodukten greifen.
Deshalb kann man Eltern als Konsequenz empfehlen statt der Uhr, einfach nur das Kind im Blick zu haben. Die Natur hat uns und unseren Kindern eine innere Uhr gegeben, die viel genauer und sicher läuft als wir glauben.