Aus „Ich und Du“ wird ein „Wir“
1. Juni 2008 von Marko
Wenn ein Baby geboren wird ändert sich im Leben mit einem Schlag fast Alles. Natürlich hat ihr Baby auch schon im Mutterleib Anteil an Ihrem Leben gehabt, allerdings wurden seine Bedürfnisse nun „nach außen“ verlagert, und Mutter und Kind müssen sich erst einmal aneinander gewöhnen und sich kennen lernen, damit diese schnell und effizient befriedigt werden.. Dazu gehört auch, dass die Mutter die Zeichen ihres Kindes erlernt zu deuten, denn sie sind nicht bei jedem Baby gleich. Ein ungestörtes Wochenbett ist dafür von elementarer Bedeutung, oftmals auch schon der Geburtsvorgang. Mit der Geburt wird aus dem bisherigen „Wir“ ein „Ich und Du“, was vorher fast nebenbei von allein geschah wird nun zur elterlichen Aufgabe.
Es kommt immer wieder zu Situationen, in denen man sich den kleinen Erdenbürger wieder zurück in den Mutterleib wünscht. Denn dort gab es keinen Hunger, keine Kälte, keine Helligkeit und das Baby war von einer ständigen Berührung umgeben. Mit der Geburt ändert sich somit vieles für den kleinen Säugling. Manchen merkt man an, dass sie sich nicht so schnell an das „Festland“ gewöhnen können, und sich nach dem Gewohnten sehnen. Dennoch ist sein ganzer Körper auf Neues eingestellt.
Uns als Eltern stellt sich die Frage was der neue Erdenbürger wünscht und braucht?
Diese Frage lässt sich schnell beantworten. Um in unserer Mitte seinen Platz zu finden, und sich richtig zu fühlen, wünscht er sich das Gewohnte. Er darf und soll sich an die letzten Monate erinnern. Wir sollten uns bewusst machen was es dort gab, und wie wir ihm diese Wohltaten zukommen lassen können. Es erscheint uns erst schwierig, dem Kleinen diese Wünsche zu erfüllen. Aber das ist es nicht, nur etwas gewöhnungsbedürftig, denn wir haben es leider verlernt.
Am Körper der Eltern kann das Baby seine neue Welt kennenlernen und sich dabei sicher und geborgen fühlen. Das Baby wächst sozusagen am Körper der Mutter heran und kann frei entscheiden wann es die ersten Schritte in die Selbständigkeit geht. Viele Eltern empfinden oftmals eine innere Beklemmtheit bei der Vorstellung ihr Baby so oft und so lange direkt am Körper zu tragen. Nein, sie verlieren dabei keine Freiheit, sie erlangen ein großes Stück Unabhängigkeit zurück. Wahrscheinlich wird sich ihr Baby nur ungern ablegen lassen. Es möchte beschäftigt werden. Aber den halben Tag auf dem Wohnzimmerboden auf der Krabbeldecke zu verbringen ist doch eigentlich viel beklemmender, oder? Kinder lernen die Welt gern am Körper ihrer Eltern kennen, und Eltern zeigen ihren Kindern mit dieser Möglichkeit auch gern die Welt. Der Haushalt muss nicht länger liegen bleiben. Die Kinder schlafen getragen oft länger, sind folglich ausgeschlafener und ausgeglichener. Es entsteht wieder ein “Wir”. Und das tut allen gut, denn es bindet Eltern mit ihren Kindern.